Uniklinik Frankfurt 06.06. – 10.07.

Nach drei Tagen wurde ich am folgenden Montag entlassen. Tanja hatte die Tage bei Bruder und Schwägerin verbracht und holte mich ab nach Frankfurt. Mit den CT Bildern der Clinique Universitaire Saint Jus Bruxelles im Gepäck fuhren wir heim.

Tanja hatte bereits für diese Woche einen Termin in der Unfallchirurgie der Uniklinik Frankfurt gemacht. Dort solle die weitere Behandlung stattfinden. Nachdem man sich dort am Mittwoch, den 06. Juni meine Hand angesehen hatte, behielt man mich gleich da. Ich kam auf Station 11-4, Zimmer 112 neben einen anderen Motorradfahrer, den es noch schlimmer erwischt hatte. Marc hatte Becken-, Bein- und Armbruch. Beide Arme im Verband war der ärmste ziemlich hilflos. Schnell freundeten wir uns an. Am Freitag wurde ich, ohne weitere Operation wieder entlassen. Die Schwellung der Hand verhindere jegliche Eingriffe.

Ich verbrachte einige Tage entspannt zu Hause und liess mich von Tanja am 14. Juni wieder in die Uniklinik fahren. Hier wurde ich endlich operiert. Leider kam ich nicht zu Marc auf die Station, sondern auf die A6.  Hier sah ich das erste deutsche Spiel der WM. Wir verloren gegen Mexiko.

Nach 4 OPs

Eine weitere OP sollte folgen, ich wurde zwischenzeitlich doch wieder auf die 11-4 verlegt, weil mein Zimmer für einen Privatpatienten geräumt werden musste. Und so kam ich auch wieder in Zimmer 112. Marc konnte mittlerweile im Rollstuhl mal nach draussen, so dass wir immer gemeinsam zum Tabakkonsumieren gingen. Besonders spannend war es abends, wenn kein Besuch mehr da war, der Marc schieben konnte. Dann schob ich ihn mit einer Hand. Mit uns im Raum war Rainer aus Köln, der von einer Dachterasse gestürzt war.  

Bei unseren Rauchgängen trafen wir immer die selben, stellenweise sehr skurrilen Typen. Einer mit Mundschutz und einem fahrbarem Gerät, in dem sein Blut zirkulierte. Der müsste eigentlich im Knast sitzen, aber die Hälfte seiner Lunge ist rausgenommen worden. Er kannte einen Trick, wie man auch nach 22 Uhr aus der Station raus und wieder reinkam. Geld und Zigaretten hatte er nie, ich gab ihm ab und zu mal ein paar Münzen oder eine Schachtel. Und da war der Harley-Fahrer, der seinen rechten Unterschenkel verloren hatte, auch unverschuldet, wie ich.

Am 21. Juni wurde ich erneut operiert. Diesmal kam das Handgelenk dran. Es sollte eigentlich die letzte OP werden, aber Dr. Hartmann verkündete mir, dass die Stellung des Handgelenks nicht optimal sei. Ich sollte also am kommenden Montag nochmal dran kommen. Bei den Visiten war ich den Ärzten in den nächsten Tagen nur einen Satz wert. „Distale Radiusfraktur, nächste Woche sind Sie dran.“ Marc wurde mittlerweile entlassen. Er sollte in die Reha. Jetzt lag neben mir ein junger Marokaner mit Beinverletzung. Seine Familie versorgte ihn bestens mit allerlei Köstlichkeiten. Immer hatten sie auch etwas für mich dabei. Sehr nette Menschen.

Der Tag der vierten OP kam und ich lag nüchtern und dürstend vor dem OP Bereich. Der Sommer 2018 war sehr heiss und ich durfte nichts trinken. Die Zeit verging und ich wurde gegen 18:00 Uhr wieder zurückgebracht. Aufgrund von Notfällen wurde es leider nichts. Am nächsten Tag sollte es dann klappen. Leider wiederholten sich die Geschehnisse des Vortages und ich musste wieder dürstend bis 18 Uhr warten, bis ich dann wieder zurückgebracht wurde. Sehr ärgerlich. Zum Glück hatte ich ein Buch dabei. Am Donnerstag, 05. Juli klappte es dann und auch der distale Radius wurde in einer OP versorgt. Dabei wurden mir zwei recht dicke Drähte durch Elle und Speiche gejagt, die auf der einen Seite des Arms herausguckten. Sah schon etwas seltsam aus. Das Ganze sollte 8 Wochen drin bleiben.

Ich wurde am Montag, den 10. Juli nach Hause entlassen. 4 Wochen Krankenhaus waren vorbei und Tanja holte mich ab und brachte mich nach Hause. Wieder im eigenen Bett zu schlafen war wunderbar.

Endlich zuhause

Unfall in Belgien

Ich hatte einen Unfall. Auf der Autobahn. Bei 120 km/h. Das Resultat: Arm und Hand inkl. Finger gebrochen 🙁

Kurz vor Brüssel fährt mir ein Transporter von hinten auf.

Ich fuhr morgens von Frankfurt über Mosel und Eifel Richtung Brüssel. Tanjas Bruder hatte dort vor wenigen Tagen ein Mädchen bekommen. Das wollten wir uns ansehen. Wir fuhren getrennt, Tanja im Opel, ich auf der Guzzi. Wir wollten uns nachmittags vor Ort treffen. In der belgischen Eifel wurde ich von heftigem Regen erwischt und sagte mir „Ach, wärest du doch jetzt schön trocken in Tanjas Auto“. Nach rund einer Stunde, vorbei an St. Vith, Verviers und Lüttich flachte der Regen ab. Dafür war an diesem Freitagnachmittag sehr viel Verkehr. Jeder wollte ins Wochende. Ich überholte gerade eine Reihe LKW, das Navi sagte mir noch ca. 15 km bis zum Ziel, als ich auf einmal einen mächtigen Schlag von hinten spürte. Ich merkte noch wie die Guzzi weggedrückt wurde, sich aufbäumte und drehte. Da wusste ich bereits, hier passiert gerade etwas Krasses. Den Flug habe ich halbwegs mitbekommen, sah noch Autos neben mir und dachte „Jetzt ist es aus“. Das nächste an das ich mich erinnern kann ist, dass ich stand, der Verkehr hinter mir hatte angehalten. Der Fahrer eines Transporters lief auf mich zu. Ihm hatte ich das anscheinend zu verdanken. Offensichtlich war ich aber in Ordnung, nur die linke Hand sah ab dem Handgelenk schief und deformiert aus. Uff. Das kriegt man schon wieder hin, dachte ich. Hauptsache ich bin am Leben. „Das war ich, ich habe Sie nicht gesehen. Ich habe beim Spurwechsel zu lange in den Rückspiegel geschaut.“ Ich hätte ihm eigentlich mit der rechten Hand eine ordentliche Backpfeife geben sollen, aber ich blieb überraschend ruhig und gelassen. Ich rief Tanja an und sagte ihr, dass ich einen Unfall hatte, und dass ich mich aus dem Krankenhaus melden würde. Ich spürte auch keine Schmerzen, als ich mich in das Auto einer hilfsbereiten Zeugin setzte. Die Polizei traf ein, eine Beamtin stellte Fragen, man regelte das Offizielle. Plötzlich wurde mir kalt und ich zitterte.  

Der Rettungswagen kam und transportierte mich, mit Fixierung des Halses, liegend ab. Fragen wurden gestellt, wann ich das letzte Mal gegessen und getrunken hätte, ob ich Allergien oder Vorerkrankungen hätte. Wir kamen in einem Krankenhaus an und ich wurde komplett untersucht. Die CT Bilder zeigten schnell, dass weder Rücken, Hals oder Organe etwas abbekommen hatten. Zum Glück dachte ich. Dann sagte mir ein Arzt auf englisch „Bad news, your left hand is completely broken“. Aber das hatte ich mir ja bereits gedacht. Und während man sich und mich auf die Operation vorbereitete, machte ich mir Gedanken, wie ich mich bei Tanja melden kann, wenn ich gleich operiert und anschliessend in langen, tiefen Schlaf fallen werde.  Mir blieb aber nicht viel mehr Zeit darüber nachzudenken. Ich wurde in einen anderen Raum geschoben, spürte ein Piecksen in meinem rechten Arm, dann legte mir ein vermummter Arzt eine Maske auf Mund und Nase. Es roch nach Plastik. Nach zwei, drei tiefen Atemzügen war ich weg.  Es muss später Abend oder bereits Nacht gewesen sein, als ich die Augen öffnete. Ich lag alleine in einem abgedunkelten Krankenhauszimmer. Mein linker Arm war komplett eingewickelt und ruhte auf einem Kissen. Der Rechte hing am Tropf. Mir war schummrig, aber ich fühlte mich in sicheren Händen. Der Arzt erklärte mir, dass man nur einen Teil, nämlich die Handwurzelknochen, hatte machen können, die Hand sei zu geschwollen für weitere Eingriffe. Ich könne hier bleiben oder mich in Deutschland weiter behandeln lassen. Tanja kam, sie hatte mich mit der Apple App „Friends“ gefunden. Wir hatten das aktiviert, um unterwegs sehen zu können wo sich der andere gerade befindet.