Italien und Kroatien 2017

Also, das war der Plan: Frankfurt – Sizilien – Kroatien – Frankfurt. 19.06.2017 – 13.07.2017. Alles alleine und auf der V7. Es wurden dann schließlich 4.800 km.

Tag 1 – Montag
Frankfurt – Lecco (Italien)

Meine erste Etappe führte mich schnell über die A5 Richtung Basel in die Schweiz. Nach zwei Stunden, Luzern lag bereits hinter mir, verließ ich die A2, um den Gotthardpass zu fahren. Erster Highlight meiner Reise. Tolle Bergwelt, gut zu fahrende Straßen, etwas unspektakulär vielleicht. Im Tessin angekommen wurde ich von den gut 30 Grad doch etwas überrascht. Jetzt schnell weiter nach Como (Italien). Immer wieder kurze Trinkstopps. Von Como im Berufsverkehr nach Lecco. Von hier an mit Navi. Es ist so heiß, dass das iPhone, das ich als Navi nutze, erstmal seinen Geist aufgibt. Na toll. Also nach Schildern fahren. Klappt! Kurzer Tankstopp. Erste Konversationen auf italienisch. Klappt auch! In Lecco dann per HRS-App eine Unterkunft gesucht. Eingecheckt und an Comer See Hamburger gegessen. Vor dem Abend noch dann noch eben die 10 km nach Mandello del Lario und das obligatorische „Ich stehe vor dem Guzzi-Werk“-Bild machen.

Tag 2 – Dienstag.  Lecco – Arezzo

​Nach dem Frühstück im Hotel zeitig weiter. In Monza kurzen Blick auf die Rennstrecke geworfen. Bereits morgens sehr heiss. Dann 300 km auf die italienische A1 an Mailand vorbei. Piacenza, Parma, Modena. Die Autobahn ist dreispurig, ich fahre gemütliche 110 km und lasse mich auch von Transportern überholen. Heiss. Alle 50 km anhalten und Wasser trinken. Bei Imola fahre ich ab und mache Rast an der Rennstrecke, an der vor über 20 Jahren Ayrton Senna verunglückte. Ich trinke zwei Kaffee und strecke für eine halbe Stunde die Füsse von mir. Dann weiter per Landstraße Richtung Toskana. Leicht bergig, einige trockene Flüsse, Wälder und Felder. Ich erreiche gegen Nachmittag Mugello, den Motorradrundkurs der MotoGP. Foto am Eingang. Sehr heiss. Wie weit fahre ich noch? 100 km könnte ich noch machen. Ich komme schließlich erschöpft bis Arezzo, wo am Rand der Stadt ein Hotel nehme. Eine kleine nette Pizzeria finde ich 5 Gehminuten entfernt.

Tag 3 – Mittwoch
Arezzo – Costa Amalfi – Salerno

Ich habe beschlossen erstmal direkt nach Sizilien durchzufahren. Die Sachen in Italien kann ich mir auch auf dem Rückweg anschauen. Vielleicht ist es dann auch nicht ganz so heiß. Aber die Amalfi-Küste nehme ich noch mit. Also ab auf die Autobahn A1 Richtung Rom und Neapel. Gegen Mittag vorbei am Kloster Montecassino, um Neapel rum nach Positano und entlang der Amalfi-Küste. Hier gleitet man man direkt an der Steilküste am Meer entlang . Traumhaft schön, aber auch sehr viel Verkehr. Die 50 km entlang der Küste dauernd gut drei Stunden. Mehrmals muss ich an einer engen Kurve Bussen Platz machen oder einheimischen Zweiradfahrern ausweichen. Genug für heute. Per App buche ich ein Zimmer in Battipaglia, hinter Salerno.

Tag 4 – Donnerstag
Salerno – Sizilien

​Heute hatte ich eine lange Strecke vor. Ich wollte es bis zur Stiefelspitze schaffen, vielleicht auch noch rüber nach Messina. Den ganzen Tag auf der fast leeren Autobahn Richtung Reggio Calabria verbracht. Kaum Autos, geschweige denn Motorräder. Es ist heiss. Und es wird sehr bergig. Viele Tunnel. ​ Nach 450 km komme ich in Villa San Giovanni an, kaufe mir für 10 EUR ein Ticket nach Messina und bin eine Stunde später auf Sizilien. Ich schlängele mich durch Messina und fahre auf der Autobahn Richtung Palermo. Nach ca. 100 km biege ich bei Rocca di Capri Leone ins Innere der Insel und erreiche am frühen Abend Galati Mamertino. Hier verbringe ich bei den Campisis die nächsten Tage.

Tag 6 – Samstag
Sizilien

​ ​​ Nachdem ich gestern in meiner kleinen Pension gefaulenzt habe, wollte ich heute mal die Gegend erkunden. Über Serpentinen und Hochebenen Richtung Randazzo, nördlich des Etna. Von dort den Vulkan Richtung Küste entlang. Kurzer Stop in Savoca, einer der Drehorte für Coppolas „Der Pate“. In der Bar Vitelli, in der Michael Corleone um die Hand von Apolonia anhielt, einen Caffe getrunken. Sehr sehr heiß, ich schenke mir den Spaziergang zur Hochzeitskirche und fahre über Messina und Autobahn wieder zurück nach Galati Mamertino. Es ist so unglaublich heiss, dass die Fahrt kaum noch Spass macht. Viele Tankstellen haben ausserdem Automatenbedienung, machmal ganz schön doof, wenn man keine kleinen Scheine hat. Nur ca. 200 km gefahren, aber trotzdem den ganzen Tag unterwegs gewesen.

Tag 8 – Montag
Palermo

​Über die Landstraße fuhr ich bei heissen 35 Grad nach Palermo. In Kalsa, dem alten Hafenviertel, suchte ich mir eine Unterkunft. Unerträglich heiss, komplett durchgeschwitzt. Anschließend Treffen mit Giovanni, den ich aus der Moto-Guzzi-Facebook-Gruppe kannte. Er und ein Kumpel, beide auf alten Guzzis, führten mich durch die Gegend, am Strand von Mondello entlang und den Hausberg hoch zur Kirche der Heiligen Rosalie, Stadtpatronin von Palermo. Anschließend noch Rundfahrt in der Stadt, immer schön zwischen den Autos durch, und erschöpft ins Bett. Die Jungs haben mir jeden Kaffee bezahlt und wollten sich partout nicht einladen lassen. Danke Euch! Grazie a voi!

Tag 9 – Dienstag
Palermo – Neapel

​Den erdrückend heissen Tag verbrachte ich in meinem Hotelzimmer. Giovanni hatte mir noch eine Kette für die Guzzi geliehen, damit diese sicher die Nacht übersteht. Bei einem Nachbarn habe ich sie dann hinterlegt. Um 15 Uhr dann zum Hafen und auf die Fähre nach Neapel wartend verbracht. ​ Stimmungsvoller Abschied mit Blick von der Reling um 20 Uhr. Für 80 EUR gönne ich mir zusätzlich den Komfort einer Kabine, wo ich schnell einschlafe.

Tag 10 – Mittwoch
Neapel – Ancona

Morgens um 8 Uhr Ankunft in Neapel. Schnell raus aus der Stadt. Über die Abruzzen nach Ancona und da zur nächsten Fähre nach Split. Eine Stunde Regen und heftiger Wind an der Adria. Langes Warten am Fährterminal in Ancona. Viele Biker hier. Man sieht Harleys, Guzzis und BMWs. Nette Gespräche mit US-Biker, der mit einem Roller durch Osteuropa fährt und einem Serbien, der mir stolz von seiner Militärzeit mit einer Moto Guzzi erzählte. Um 17 Uhr geht es endlich auf ein Schiff der Jadranskalinjia. Dort erst einmal drei Karlovacko getrunken, gut gegessen und versucht zu schlafen.

Tag 11 – Donnerstag
Ancona – Split – Trogir

Leider war die Passage etwas unruhig, mehrmals nachts mußte ich mich am Bett festhalten, um nicht rauszufallen. Um 7:30 Uhr Ankunft in Split. 30 Minuten weiter bis zu unserer Wohnung nach Trogir. Dort erst einmal geduscht und lange geschlafen. Bis zur Rückfahrt bleibe ich hier. Am Freitag kommt Tanja mit dem Flugzeug und der gemeinsame Teil des Urlaubs beginnt.

Tag 23 – Dienstag
Trogir – Krk

Genug gefaulenzt. Nach neun mehr oder weniger Motorradfreien Tagen beginnt die Fahrt Richtung Krk. Dort besuche ich das Urlaubsdomizil meines alten Kumpels Daniel Selbersuess samt seiner Familie. 50 Kilometer Magistrale habe ich am Stück gefilmt. Zu sehen auch unter Videos.

Tag 24 – Mittwoch
Krk – Großglockner – Bertechsgaden

Nach einem spaßigen Abend im Ferienhaus der Familie Selbersuess startete ich die Guzzi um Kroatien zu verlassen. An Rijeka vorbei, kurz Landstraße durch Slowenien und bei Triest nach über einer Woche wieder in Italien. Bei Udine erblicke ich bereits die Alpen. Und hier habe ich mich zum ersten Mal verfahren. Ich wollte über den Plöckenpass nach Österreich, bin aber in Villach gelandet. Was solls? Dort Pickerl gekauft und eine Guzzi mit Beiwagen bestaunt, getankt und weiter Richtung Großglockner. Hält das Wetter? Laut wetter-online sind Gewitter für ganze Gegend vorhergesagt. Hmm. Noch 140 km. Egal, ich versuche es. Bei Spittal an der Drau runter der Autobahn und durch das malerische Mölltal zum Großglockner. Rund 25 Euro kostet die Maut. Der Regen bleibt bislang aus und so kann ich bei kalten 15 Grad die traumhafte Alpenhochstraße genießen.Was für ein Ausblick. Ein paar wenige Autos, einige Motorräder aber sonst frei Fahrt und Sicht. Herrlich. ​ Anschließend weiter durch heftigen Regen hinter Zell am See und Lofer und dann über die deutsche Grenze bei Berchtesgaden. Mir reicht’s für heute. Waren über 650 km heute. Ein Hotel Richtung Rosenheim gebucht, am Chiemsee vorbeigefahren und in Brannenburg bei Bayrischzell tief geschlafen. Meine letzte Nacht dieser Reise. Morgen bin ich wieder zuhause. 🙁

Tag 25 – Donnerstag
Rosenheim – Frankfurt

Komisch wieder in Deutschland zu sein. Meine Fahrt beginnt mit rund einer Stunde ordentlichen Regens und kalten Händen. Ich mache einen weiten Bogen um München fahre ca. 120 km über Land. Immer wieder muss ich Richtung Landshut anhalten um meine Finger an den V-Zylindern zu wärmen und die Handschuhe zu trocknen. Ab Landshut dann endlich wieder 19, 20 Grad, als ich auf die letzte Etappe Richtung Frankfurt gehe. Über Ulm, Heilbronn, Mannheim erreiche ich gegen 15:00 Uhr nach 25 Tagen meinen Ausgangspunkt.