Arbeiter, Student, Schriftsteller

Besuch bei einem Lichtenberger Dichter

Lichtenberger Anzeiger Sonnabend/Sonntag 17. 18. Dezember 1938

In unmittelbarer Nähe des Schnellbahnhofs Ostkreuz, in der Boxhagener Straße in Lichtenberg, hat er sein Heim aufgeschlagen, der vor ganz kurzer Zeit der deutschen Jugend ein Werk beschert hat dass die vielen Wunder der Natur in Form eines reizenden Märchens mit wissenschaftlichen Hintergrund zum Vorbild hat. Wir sitzen Herbert Paatz, dem Dichter, in seinem traulichen Heim gegenüber und freuen uns, einen Mann kennengelernt zu haben, dessen Lebensweg etwas ungewöhnlich ist. Wenn er von seinem mannigfaltigen Schaffen erzählt, leuchten seine Augen in ehrlicher Begeisterung.

Ich bin der Sohn eines einfachen Mannes, der tagsüber schwer in der Fabrik arbeitete, berichtet Herbert Paatz. Mein Vater war von einem ungeheueren Wissensdrang besessen, er las sehr viel und eignete sich auf autodidaktischem Wege ein umfangreiches Wissen an. Ich trat bald in seine Fußstapfen und verbrachte den größten Teil meiner Freizeit damit, dass ich las und studierte. In all diesen Jahren ist mir mein Vater immer ein leuchtendes Vorbild gewesen er unterstützte in jeder Weise meinen riesigen Bildungshunger. 

Mein ganzes Herz gehört der Natur und der Tierwelt deshalb studierte ich ja auch verschiedene Semester Zoologie.

Zuerst Schläge schlucke ich mich recht und schlecht als Fabrikarbeiter durch. Wenn der Feierabend kam, begann erst für mich der wichtigste Teil des Tages. Ich besuchte Abendkurse und war unermüdlich tätig, vor keiner geistige Anstrengung scheute ich zurück und wenn ich manchmal spät nachts todmüde ins Bett sank, hatte ich die Genugtuung dass ich meinem Ziel, Schriftsteller zu werden, immer näher rückte.